Blei im Trinkwasser ist seit Anfang 2026 eine harte rechtliche Vorgabe. Mit der novellierten Trinkwasserverordnung (TrinkwV), die am 23. Juni 2023 in Kraft trat, sind Bleileitungen in der Trinkwasserinstallation seit dem 12. Januar 2026 vollständig unzulässig. Bis zum Stichtag mussten alle Bleirohre und bleihaltigen Teilstücke entfernt, ausgetauscht oder stillgelegt sein. Wer noch nicht weiß, ob im eigenen Haus Blei verbaut ist, sollte das jetzt klären. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Bleirohre erkennen und wie der fachgerechte Austausch abläuft.
Warum Bleirohre ein Problem sind
Blei ist bereits in sehr geringen Mengen gesundheitsschädlich. Es kann das Nervensystem schädigen, die Blutbildung beeinträchtigen und reichert sich im Körper an, mit der Folge von Entwicklungsstörungen, Nierenschäden und erhöhtem Blutdruck. Besonders gefährdet sind ungeborene Kinder, Säuglinge, Kinder bis etwa sechs Jahre sowie Schwangere.
Ins Wasser gelangt das Blei durch Korrosion aus dem Rohr und vor allem durch Stagnation: Wasser, das lange in der Leitung steht, etwa über Nacht, weist deutlich erhöhte Bleiwerte auf. Der Grenzwert liegt aktuell bei 0,010 mg/l, ab dem 12. Januar 2028 wird er auf 0,005 mg/l halbiert.
Betroffen sind fast ausschließlich Gebäude, die vor 1973 errichtet wurden, denn seither werden keine neuen Bleileitungen mehr verbaut. In Süddeutschland wurde Blei schon seit Ende des 19. Jahrhunderts kaum noch verlegt, das Risiko im Bestand ist hier geringer als in Nord- und Ostdeutschland. Ganz ausschließen lässt es sich in einem Freiburger Altbau aber nicht, in dem oft auch die Wasserhärte je nach Stadtteil eine Rolle für die Installation spielt.
Bleirohre erkennen: die wichtigsten Tests
Eine rein optische Prüfung ist nicht zuverlässig, liefert aber erste Hinweise. Typische Eintrittsstellen liegen im Keller und an den Steigleitungen. Achten Sie auf diese Merkmale:
- Farbe: Ungestrichene Bleirohre sind silbergrau.
- Ritztest: Blei ist weich und lässt sich leicht mit einem Messer einritzen, der frische Riss glänzt silbrig.
- Verbindungen: Keine verschraubten Übergänge, sondern wulstige, gelötete Verbindungen.
- Verlegung: Wegen des weichen Materials meist in weiten Bögen und mit unregelmäßigen Durchmessern verlegt.
- Magnettest: Blei ist nicht magnetisch, ein Magnet haftet nicht. So unterscheiden Sie es von verzinktem Stahl.
- Klangtest: Beim Anklopfen mit Metall erzeugt Blei einen dumpfen Klang.
Endgültige Sicherheit liefert nur die Begutachtung durch einen Fachbetrieb oder eine Wasseranalyse in einem akkreditierten Labor. Auch alte Sanierungsunterlagen geben Aufschluss. Da die übliche Nutzungsdauer von Trinkwasserleitungen bei rund 50 Jahren liegt, ist Bleibestand technisch ohnehin fast immer überaltert.
So läuft der Austausch ab
Steht ein erhöhter Bleiwert fest, gehört der Austausch in fachkundige Hände. Arbeiten an der häuslichen Trinkwasserinstallation dürfen nur SHK-Betriebe ausführen, die im Installateurverzeichnis des Wassernetzbetreibers eingetragen sind. Der typische Ablauf:
- Verdacht prüfen: Baujahr feststellen und Leitungen in Keller und an Steigleitungen begutachten.
- Gewissheit schaffen: Wasseranalyse oder Fachbetrieb hinzuziehen.
- Sofortschutz bis zur Sanierung: Stagnationswasser ablaufen lassen, bis es gleichmäßig kühl kommt. Für Säuglinge und Schwangere stattdessen abgepacktes Wasser mit der Kennzeichnung "geeignet zur Zubereitung von Säuglingsnahrung" verwenden.
- Fachbetrieb beauftragen: Austauschplan und Angebot erstellen lassen.
- Sanierung durchführen: Bleileitungen vollständig durch Kupfer, Edelstahl oder zugelassene Kunststoffe (PE, Mehrschichtverbundrohr) ersetzen oder fachgerecht stilllegen.
Wichtig: Das Beschichten von Bleirohren, etwa mit Epoxidharz, ist keine zulässige Lösung. Die nötige Oberflächenvorbereitung legt aktive Bleioberflächen frei, und bei Versagen der Beschichtung drohen sehr hohe Bleikonzentrationen. Nur der echte Austausch oder die Stilllegung erfüllen die Vorgaben. Mehr dazu in unserer Übersicht zu den Pflichten der Trinkwasserverordnung 2026.
Tipps für Eigentümer und Mieter
Für die Installation im Gebäude, also bis zur Wasserzähleranlage, ist der Eigentümer oder Vermieter verantwortlich, für die Hausanschlussleitung der Wasserversorger. Mieter können eine schriftliche Überprüfung verlangen, eine Frist setzen und bei Untätigkeit das Gesundheitsamt einschalten. Bei dokumentierter Gesundheitsgefahr kommt eine Mietminderung in Betracht.
Verstöße sind eine Ordnungswidrigkeit und können mit Bußgeldern geahndet werden, dazu drohen Haftungsansprüche und im Extremfall die Trennung der Wasserversorgung. Für selbst genutzte Eigenheime kann das Gesundheitsamt die Frist in begründeten Ausnahmefällen auf Antrag bis zum 12. Januar 2036 verlängern, sofern eine Gesundheitsschädigung ausgeschlossen ist. Allgemeine Sanierungsförderungen über BAFA und KfW erreichen je nach Maßnahme bis zu 70 % Zuschuss, betreffen aber primär energetische Maßnahmen. Ob ein Leitungsaustausch förderfähig ist, ist im Einzelfall zu klären.
FAQ zu Bleirohren
Seit wann sind Bleirohre verboten?
Seit dem 12. Januar 2026 sind Bleileitungen in der Trinkwasserinstallation in Deutschland vollständig unzulässig. Grundlage ist die novellierte Trinkwasserverordnung, die am 23. Juni 2023 in Kraft trat. Bis zum Stichtag mussten alle Bleirohre und bleihaltigen Teilstücke entfernt, ausgetauscht oder stillgelegt sein.
Wie erkenne ich Bleirohre im Keller?
Ungestrichene Bleirohre sind silbergrau, weich und lassen sich leicht einritzen, wobei der Riss silbrig glänzt. Sie haben wulstige, gelötete Verbindungen, sind in weiten Bögen verlegt, nicht magnetisch und klingen dumpf. Sicher feststellen lässt sich Blei jedoch nur durch eine Wasseranalyse im Labor oder durch einen Fachbetrieb.
Kann ich Bleirohre einfach beschichten lassen?
Nein. Das Beschichten ist keine zulässige Sanierungsmaßnahme. Die nötige Oberflächenvorbereitung legt schädliche Bleioberflächen frei, und bei Versagen der Beschichtung können sehr hohe Bleikonzentrationen entstehen. Vorgeschrieben ist der tatsächliche Austausch durch Kupfer, Edelstahl oder zugelassene Kunststoffe oder die Stilllegung.
Was kann ich bis zum Austausch tun?
Lassen Sie vor jeder Entnahme zum Trinken oder Kochen das Stagnationswasser ablaufen, bis es gleichmäßig kühl kommt. Das senkt den Bleigehalt, garantiert aber keine Unbedenklichkeit. Für Säuglinge und Schwangere verwenden Sie kein Leitungswasser, sondern abgepacktes Wasser mit der Kennzeichnung "geeignet zur Zubereitung von Säuglingsnahrung".