Ein muffiger oder nach faulen Eiern riechender Abfluss trifft fast jeden Haushalt einmal, im Bad ebenso wie im selten genutzten Gäste-WC oder am Kellerablauf. Meist steckt dahinter kein Defekt, sondern ein Geruchsverschluss, der seine Aufgabe gerade nicht erfüllt. Dieser Ratgeber erklärt, wie der Siphon funktioniert, warum Geruch aus dem Abfluss entsteht und was zuverlässig hilft, aus der Praxis eines Meisterbetriebs in Freiburg und im Breisgau.
Wie der Siphon als Geruchsverschluss funktioniert
Der Siphon, fachlich Geruchsverschluss, ist gas- und geruchsdicht, aber flüssigkeitsdurchlässig. Im gebogenen Rohr steht ständig eine kleine Wassersäule, das Sperrwasser. Sie blockiert Faul- und Kanalgase aus der Abwasserleitung. Abwasser kann den Verschluss passieren, Gerüche nicht.
Die Normen schreiben dafür eine Mindesthöhe vor. Nach DIN 1986-100 in Verbindung mit DIN EN 12056 und DIN EN 752 beträgt die Sperrwasserhöhe bei Schmutzwasserabläufen mindestens 50 mm, bei Regenwasserabläufen 100 mm. DIN EN 274-1 verlangt bei teilgefüllten Ablaufleitungen ebenfalls mindestens 50 mm, bei vollgefüllten Anschlüssen 75 mm. Sinkt der Pegel darunter, ist die Sperre nicht mehr dicht.
Je nach Einbau gibt es verschiedene Bauformen: den Röhren- oder U-Siphon, den platzsparenden Flaschensiphon, den flachen Tassensiphon für bodengleiche Duschen, Glockengeruchsverschlüsse für Bodeneinläufe sowie den Trockensiphon mit Klappe oder Kugel, der auch ohne Wasser dichtet.
Die häufigsten Ursachen für Geruch aus dem Abfluss
Drei Ursachen erklären die meisten Geruchsfälle:
- Ausgetrocknetes Sperrwasser: Bei selten genutzten Abläufen wie Gäste-WC, Kellerablauf oder in der Ferienwohnung verdunstet das Sperrwasser. Fällt der Pegel unter die Mindesthöhe, steigen Kanalgase auf, typisch nach Kanal oder faulen Eiern (Schwefelwasserstoff).
- Selbstabsaugung durch fehlende Belüftung: Fließt Abwasser durch die Fallleitung, muss Luft nachströmen. Fehlt die Belüftung, entsteht ein Unterdruck (Saugheber-Effekt), der das Sperrwasser aus dem Siphon zieht. Anzeichen sind Gluckern und langsamer Ablauf.
- Ablagerungen und Biofilm: Fett, Speisereste, Haare sowie Seifen- und Hautrückstände bilden in Siphon und Rohr einen Biofilm. Dessen bakterielle Zersetzung erzeugt übel riechende Gase, oft muffig oder faulig, auch ohne Verstopfung.
Nach DIN 1986-100 muss grundsätzlich jede Fallleitung über Dach entlüftet werden. Wo das nicht möglich ist, saugen Belüftungsventile oder Rohrbelüfter bei Unterdruck Luft nach und verhindern das Leersaugen der Geruchsverschlüsse, ohne Geruchsluft austreten zu lassen.
Schritt für Schritt zur Lösung
- Geruch lokalisieren. Welcher Ablauf riecht, und tritt der Geruch dauerhaft auf oder nur nach dem Wasserablauf?
- Sperrwasser auffüllen. Den Ablauf kräftig durchspülen, um die Wassersäule (mindestens 50 mm) wiederherzustellen. Verschwindet der Geruch, war der Verschluss ausgetrocknet. Das behebt die meisten reinen Geruchsfälle.
- Austrocknen vorbeugen. Bei längerer Abwesenheit einige Tropfen Glycerin in den Ablauf geben, das bremst die Verdunstung. Kein Speiseöl, es wird ranzig.
- Auf Gluckern achten. Gluckert es oder läuft das Wasser langsam ab, deutet das auf eine fehlende Belüftung hin, die das Sperrwasser aussaugt, ein Fall für die Fachkraft.
- Siphon reinigen. Bei muffigem Geruch trotz gefülltem Verschluss den Siphon öffnen und Biofilm sowie Ablagerungen mechanisch entfernen. Aggressive Chemie möglichst vermeiden.
- Dichtheit prüfen. Sitzen Verschraubungen und Dichtungen fest, ist der Siphon intakt, und sind wasserlose Bodeneinläufe mit Trocken- oder Rückschlagverschluss ausgestattet?
Wann der Profi ran muss
Eine ausgetrocknete oder leergesaugte Sperre ist mit Spülen schnell behoben. Wiederkehrender Geruch trotz gefülltem Siphon deutet dagegen auf Biofilm, einen undichten Siphon, einen fehlenden Belüftungsweg oder eine gestörte Fallleitungsbelüftung hin, ein Fall für die SHK-Fachkraft mit Belüftungs- und Kanalinspektion.
Bei selten genutzten Bereichen ist neben dem austrocknenden Siphon auch das Stagnationswasser relevant: Stehendes, lauwarmes Wasser fördert Bakterien- und Legionellenwachstum. Nach längerer Nichtnutzung, etwa über eine Woche, sollten die Entnahmestellen gespült werden, das hält zugleich die Geruchsverschlüsse gefüllt. Mehr dazu in den Pflichten der Trinkwasserverordnung 2026.
Zudem steht eine Normänderung an: Der Neu-Entwurf der DIN 1986-100 vom 2. Mai 2025 lässt Bodenabläufe mit reduzierter Sperrwasserhöhe nach DIN EN 1253-6/-7/-8 unter definierten Bedingungen zu, etwa bei Platzmangel. Das erleichtert bodengleiche Duschen in der Sanierung, birgt aber ein höheres Geruchsrisiko. Wer eine Badsanierung in Freiburg plant, sollte die Belüftung von Anfang an mitdenken.
FAQ zu Geruch aus dem Abfluss
Warum riecht mein Abfluss plötzlich nach Kanal?
Meist ist das Sperrwasser im Siphon ausgetrocknet, vor allem bei selten genutzten Abläufen. Fällt die Wassersäule unter 50 mm, steigen Kanalgase auf. Kräftiges Durchspülen füllt den Verschluss wieder auf und behebt das Problem in den meisten Fällen sofort.
Was bedeutet Gluckern im Abfluss?
Gluckern ist Luft, die durch den Siphon nachgezogen wird, weil in der Leitung Unterdruck entsteht. Ursache ist eine fehlende oder gestörte Belüftung, die das Sperrwasser aussaugt, ein Fall für die Fachkraft.
Wie verhindere ich, dass der Siphon im Urlaub austrocknet?
Selten genutzte Abläufe vor längerer Abwesenheit gut durchspülen und einige Tropfen Glycerin hineingeben, das bremst die Verdunstung. Speiseöl ist ungeeignet, weil es ranzig wird. Bei sehr selten genutzten Bodeneinläufen ist ein Trocken- oder Rückschlagverschluss am sichersten.